Ein Do it yourself Kettenöler

Motorrad-Ketten neigen zum Verschmutzen und verschleissen daher schnell. Das freut die Hersteller solcher Ketten, geht aber schön ins Geld, wenn man viel fährt. Ein Kettenöler verlängert die Lebensdauer - hier eine Bastelanleitung für einen Kettenöler der nur einige Euro kostet.

Eine optimale Lösung waren früher die geschlossenen, mit Fett befüllten Kettenkästen wie sie z.B. meine Jawa besitzt. Wenn man das nicht hat, ist eine Verlustschmierung mit einem Kettenöler auch sehr brauchbar. Für simple Lösungen wie den bekannten Scottoiler werden allerdings recht heftige Preise aufgerufen. Also selber so was basteln - mit Haushaltsmitteln...

Für den Selbstbaukettenöler waren folgende Vorgaben gedacht: 

(Bitte nicht alles tierisch ernst nehmen)
 
Wink Computergesteuert 
 Aus Teilen die im Haushalt zu finden sind herzustellen 
Rolling Eyes darf nicht teuerer sein, als das darin enthaltene Öl 
Embarassed in 10 Minuten herzustellen (Das nachdenken über die beste Montage dauert allerdings länger als die Herstellung) 

Umsetzung: 

Wink Computergesteuert: Was haben wir gerade für Rechner zu Hause? Da wäre ein übriger Mac, eine Armbanduhr, und der leistungsfähigste, ein neuronaler, der unterm Helm ohnehin immer dabei ist  Gebongt, ich nehm letzteren.

 

 Aus Teilen die im Haushalt zu finden sind herzustellen: Was brauchen wir dazu? 
  • ein Flascherl fürs Öl, Kunststoff, mit Schraubverschluss
  • ein Infusionsbesteck 
  • ein Stückerl eloxierter Aludraht 2mm zum Bonsaibinden 
  • ein Stückerl Schrumpfschlauch 
  • Tonnen von Kabelbindern 
  • eine Tube Klebstoff, benzinfest 

 

Gebongt, ist alles zu Hause 

Rolling Eyes darf nicht teuerer sein, als das darin enthaltene Öl: Das ist nicht schwer, bei den heutigen Ölpreisen. Das Flascherl kostet 90 ct, das Infusionsbesteck zwischen 80ct und 2€, Draht, Schrumpfschlauch, Kabelbinder - sollen zusammen ca. 1€ kosten...? 
 
Embarassed in 10 Minuten herzustellen:
 
Als erstes nehmen wir das Infusionsbesteck, nehmen an beiden Enden die Schutzkappen ab (steril brauchts ja net sein) und stechen das spitze Ende mit der Tropfkammer in das Flascherl. Und zwar seitlich versetzt, damit dann beide Teile am Rahmen anliegen wenn wir sie verzurren. 
 

Als nächstes säbeln wir die Spitze vom Besteck ab, damit wir den Ölvorrat bis zum Boden aufbrauchen können. Üblicherweise sind in Infusionsflaschen ca. 1 cm starke Gummis durch die gestochen wird, deshalb würde, wenn wir den Spitz dranlassen 1 cm Öl im Flaschl stehenbleiben. 
 
Wichtig: In der Kanüle sind zwei Bohrungen, darauf achten das beide freigängig sind, vor allem nach dem Einkleben, sonst tropfts nämlich nicht wenn keine Luft ins Flaschl zurück kann. 
Dann verkleben wir die beiden Sachen mit einem ölbeständigen Kleber und lassens trocknen. 
 

In der Zwischenzeit überlegen wir uns, wo wir das Ganze montieren. Das Ganze ist schwerkraftbetätigt, d.h. Das Flascherl muß oben, der Auslass unten sein. Eine gewisse gerade Strecke geht, solang das Ende des Schlauches deutlich tiefer ist. 
Das Infusionsbesteck ist für wässrige Lösungen bestimmt, ein Liter rinnt je nach Einstellung in 10 bis 50min durch. Mit Öl geht das bedeutend langsamer, also optimal für eine kontinuierliche Abgabe über lange Zeit. Ich hab die Zeit gestoppt, bei 20W40 in Mittelstellung kommt ca alle 3-5 Minuten ein Tropfen... 
Die genaue Einstellung hoffe ich bei der Fahrerprobung zu finden, hängt aber natürlich von der Temperatur, dem Öl, und dem neuronalen Regelcomputer ab. 

Montage am Radl: Aus dem Aludraht biegen wir an einem Ende eine Schlaufe und fixieren das ganze mit Kabelbindern verdrehsicher an der Schwinge. Das Ende des Drahtes biegen wir ca. 2-3 cm über der Kette vor das Kettenrad. 

Dann die Infusion am Radl befestigen, darauf achten das man dann auch noch Öl einfüllen kann. Bei beengten Platzverhältnissen bewährt sich ein einfacher Trichter mit einem Wendltubus dran, der ist schön biegsam und kommt um jedes Eck (muß ja auch durch jede Nase durchpassen  ) 
 

Das Regulierradl lässt sich auf dem Schlauch verschieben. Breite Seite ist ganz offen (zum Füllen) schmale Seite ist ganz zu - Schlauch ist abgeklemmt, da sollte dann auch nix nachtropfen. Das Radl fixieren wir an einer passenden Stelle mit Kabelbindern. 
 

Übrigens: den Schlauch nur wenn unbedingt nötig mit Kabelbindern fixieren, er ist sehr weich und gleich mal so eingeklemmt, das gar nix durchgeht. Wenn also nix kömmt - Ist der Regler offen? Ist der Schlauch wo eingezwickt? 

Den Schlauch bis zum Aludraht durchführen, ein wenig Spiel vorsehen, da sich die Schwinge ja bewegt, den Schrumpfschlauch über Schlauch und Aludraht schrumpfen. Dann den Schlauch abschneiden, so dass das Ende ca. 1 cm von der Kette weg ist. So sollte es nicht gleich alles wegfetzen, wenn die Kette mal arbeitet und das Öl kommt schön bei den Rollen an. 
 

Fertig    

Jetzt müssen wir das Ganze nur noch fluten. 
Simples Motor-Öl ins Flaschl einfüllen, dann das grüne Luftklapperl an der Tropfkammer öffnen, den Regler ganz auf machen - schon können wir zusehen wie das Öl gemächlich Richtung Ausgang rinnt. Wenns nicht anfangen will, drückt man ein paar mal den unteren Teil der Tropfkammer bis sich diese etwa halb gefüllt hat (ganz voll is nix, weil dann sieht man nicht wie schnell es tropft). Kommt unten der erste Tropfen raus, das Radl ganz zum Anschlag an der schmalen Seite und erst mal absperren. Dann das Luftklapperl zu und den Deckel auf die Flasche. 
Wenn man das Radl jetzt wieder auf ca die Hälfte aufmacht, kann man beobachten wie sich nach ca 3-5 Minuten ein Tropferl in der Tropfkammer löst, das dann wieder eine Minute später unten rauskommt. 
Beim Parken wird dann einfach wieder zugedreht, durch die Kapillarwirkung kommt nix nach und der Schlauch ist abgeklemmt. 
 

Das Ganze ist bis jetzt nur in der Garage getestet und wird auf der AiA Herbstausfahrt eingeweiht, dann seh ich ob es funktioniert. Bericht folgt. 

Und hier die modifizierte Version

Um das Infusionsbesteck sicher befestigen zu können drehen wir die Flasche einfach um. 
Der Boden wird entfernt und mit einem Filmdosendeckel verschlossen. So lässt sich das Öl sogar bequemer nachfüllen. 
 
Die Verschlusskappe des Spritzflascherls wird enthauptet. 
 
und der Spitz des Infusionsbesteckes durchgesteckt 
 
und von innen verklebt 
 

Somit sollte eine haltbare Verbindung gegeben sein. 
 

Diese Verklebung hält recht gut, allerdings habe ich dann noch eine elegantere Lösung gefunden. Einen kleinen Modellbautank für 3,- € mit einem Gummistoppel. Das Infusionsbesteck wird da einfach durchgestochen, hält dicht ohne Verklebung. Auch bei echten Infusionen wird dieses Prinzip verwendet.

Das Konstrukt hat sich jetzt über mehrere Jahre auch im harten Wintereinsatz bewährt. Alle paar Jahre sollte man das Infusionsbesteck austauschen, es ist halt nicht für extreme Temperaturbelastungen gedacht und versprödet - bei dem Preis kann man das aber mühelos verschmerzen. Seit ich den Öler benutze habe ich mit Jahresfahrleistungen von um die 10.000 km keine neue Kette mehr gebraucht, die Lebensdauer der Kette verlängert sich also nachweislich. 

Auch die Verwendung handelsüblichen Motoröles hat sich bewährt. Schmutz bleibt nicht haften, sondern wird spätestens beim nächsten Regenguß abgespült. Haftöle wie bei Scottoiler lassen den Schmutz an der Kette kleben, was meines Erachtens zu höherem Verschleiss beiträgt.

 

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