...auch Anschaffungen fürs Leben haben ein Ablaufdatum
Schon erstaunlich - die kürzlich erworbene Nikon D700 entpuppte sich als 21. Kamera die ich besitze. Zeit für eine Reminiszenz. Ein Fotoleben in Kameras. Ich habe sie fast alle geliebt und auf ihre Weise sind sie alle ein Stück Geschichte der Fotografie, verknüpft mit sehr subjektiven Erinnerungen. Wer also nach objektiven Bewertungen über die Brauchbarkeit einzelner Modelle sucht, ist hier definitiv falsch...
Fotografische Jugendsünden
Meine Allererste war, Ende der Sechziger, eine typische Vertreterin ihrer Zeit, die Kodak Instamatic. Sie wurde mit Kassettenfilm 126 geladen und ich war froh und stolz, wenn auf den Bildern überhaupt etwas erkennbar war - fast alle Bilder die ich mit dieser "Kamera" machte, waren verwackelt und unscharf.
Wesentlich besser war da schon die hier: Eine Minolta Pocketkamera, mit eingebautem Blitz und einer kleinen Vorsatzlinse für den Telebereich. Für das winzige Negativformat des 110er Pocketfilmes waren die Bilder erstaunlich scharf. Bitte, natürlich nur auf 10x15 Abzügen und bei weitem nicht mit einer Leica vergleichbar, aber immerhin, man konnte was erkennen. Fürderhin war ich der Urlaubsfotograf der Familie...
Yashica 44
Meine nächste Kamera war da schon wesentlich ernstzunehmenderes Gerät, Eine zweiäugige Spiegelreflex mit dem auch damals schon exotischem 127er Rollfilm für Negative im Format 4x4cm. Das ist eine sehr feine Kamera, mit hervorragenden Objektiven, einem nahezu unhörbarem Verschluss, klein, handlich und mit exzellenter Bildqualität. Sie ist wunderschön und ein feinmechanisches Wunderwerk. Ich besitze dieses Geschenk meines Grossonkels heute noch, leider gibt es schon lange keine 127er Rollfilme mehr, also kann man nicht mehr mit ihr fotografieren...
Die erste Kleinbildspiegelreflex
Minolta XG1
So mit 13 oder 14 Jahren hatte ich meinen ersten Ferienjob. Ich schaufelte Erbsen bei Iglo während der Ernte. Das dabei verdiente Geld investierte ich in eine Minolta XG1. Ein sehr feiner Zeitautomat, solide gebaut. Die XG1 fiel leider meinem jugendlichem Überschwang zum Opfer.
Minolta XE1
Eigentlich war das meine erste Leica, nur hab ich das damals nicht gewußt. Die XE1 ist ein Gehäuse, das verblüffende Ähnlichkeit mit der Leica R3 hat. Das ist auch kein Wunder. Seit Anfang der 70er kooperierten Minolta und Leica, die R3 ist eine 1:1 Kopie der XE Reihe von Minolta. Leider hat zwar Minolta zeitgemässe Kamerakonstruktionen an Leica transferiert, umgekehrt scheint aber kaum optisches Wissen nach Japan gegangen zu sein. Minolta Kameragehäuse waren fantastisch. Die Minolta-Objektive aber, die waren einfach nur schrecklich! Weich, mit ungeheueren chromatischen Abberationen und Koma. Ich verstehe daher nicht ganz die Verklärung alter MD Rokkore durch manche Fans - die Dias in meinem Archiv belegen, das diese Optiken unterdurchschnittlich waren.
XG-M und X700
Es folgten eine , ebenfalls ein Zeitautomat, aber schon wesentlich moderner (das Gehäuse der XG1 war schöner und solider gearbeitet) und die die für damalige Verhältnisse ungeheuer modern war. Wir sprechen vom Anfang der 80er, da waren Kameras, die Zeit- und Programmautomatik und TTL Blitzmessung boten eher die Ausnahme. Mit der XE1, XG-M und der X 700 hab ich mir mein erstes Geld als Pressefotograf verdient. Noch Schüler, war ich damals der jüngste Pressefotograf mit einem Gewerbeschein in Österreich. Zu diesen Gehäusen gesellte sich dann noch eine
Minolta XM
Meine letzte Minolta, die war ein präzisionsmechanisches Wunderwerk, der damals marktbeherrschenden Nikon F2 weit überlegen. Meine Eltern haben sie bezahlt, die weit über 10.000 Schilling für das gebrauchte Gehäuse hätte ich selber nicht aufbringen können, ich machte gerade den Führerschein. Die XM hatte am Markt kaum Bedeutung. Die Profis mißtrauten der Elektronik und die Objektive waren einfach zu schlecht. Dennoch, sie war ein ungeheures Teil, nicht nur von den äusseren Dimensionen. Wenn man sie in die Hand nahm, schaltete sie sich automatisch ein, dank einer Kontaktleiste auf der Vorderseite. Sie hatte Wechselsucher und eine ausgefeilte Belichtungsmessung. Die funktionierte unter den extremsten Bedingungen perfekt. Mit einer F2 konnte man zwar die sprichwörtlichen Nägel einschlagen, die XM war aber Ende der 70er ein echter High-tech Bolide. Mit echten Leica Objektiven wäre sie wahrscheinlich unschlagbar gewesen, so aber blieb sie eine Randnotiz der Fotogeschichte.
Der Einstieg in die Profiliga
Yashicamat 124G
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Eine Hasselblad - das wärs gewesen. Aber leider unerschwinglich. Der Einstieg ins Mittelformat gestaltete sich daher wesentlich bescheidener. Ich kaufte eine Yashica 124G, die wahrscheinlich beste Kopie der Rolleiflex. Diese zweiäugige 6x6 gab es für kleines Geld, in etwa den Preis einer Amateur-Spiegelreflex. Sie war aber, ohne Übertreibung, der Rolleiflex absolut ebenbürtig. Hervorragend verarbeitet, präzise, mit einem wunderbaren Mattscheibenbild, einem extrem leisen Verschluss, Belichtungsmessung und ganz hervorragender Optik. In den letzten beiden Punkten war sie damals der Rolleiflex sogar überlegen. Die "neuen" Rolleiflex mit vergüteten Objektiven wurden ja erst etliche Jahre später als "Retrokameras" aufgelegt. Mit der Yashica habe ich hervorragende Mittelformat-Dias produziert und viele Jahre gutes Geld damit verdient. Ich besass sie von 1980 bis 2005, also 25 Jahre. In meiner aufkeimenden Digitalhysterie habe ich sie dann auf eBay verscheuert, da war ich echt geistig umnachtet!
Nikon FM2
Nach meiner Militärzeit habe ich die Minoltas verkauft. Ich arbeitete als Fotograf bei verschiedenen Fotostudios und später in der Industrie und mein Arbeitsgerät dort waren die Nikon F2 und F3, Hasselblad und Sinar. Da lag es nahe, in das Nikon System einzusteigen. Die Nikon Serie A Objektive waren wesentlich besser als das bis dahin von Minolta Gewohnte.
Und mit der Nikon FM2 fand ich ein fast perfektes Gehäuse. Die FM2 war viel robuster als die F3 und hatte einen faszinierenden Verschluss aus Titan, der rein mechanisch 1/4000 sec erreichte. Das war ja nicht so wichtig, aber die Blitzsynchronzeit von 1/200 sec war ein Wort. Fortan gab es bei Hallensport nur noch die FM2. Geblitzte Fotos waren endlich nicht mehr durch Geisterbilder mit Bewegungsunschärfe gestört. Die FM2 war bei mir wirklich arm dran. Regen, Staub, keinerlei Pflege, öfter mal ging sie zu Boden, sogar in eine tiefe Pfütze ist sie mir gefallen, wieder rausgeholt und weiterfotografiert. Alles kein Problem. Mit der Nachführbelichtungsmessung war man dabei nicht unbedingt benachteiligt. Einfach auf den Asphalt Belichtung messen und munter drauf los schiessen. Filmeinlegen war mit Motordrive eine Sache von Sekunden, das konnte ich dann auch blind im Bauch eines Walfisches. Dementsprechend trug das Gehäuse eine wirklich würdige Patina, die von einem harten Leben zeugte, mit bis aufs blanke Messing abgewetzten Kanten. Also die perfekte Kamera fürs Leben? Fast! Die damals mit der FM2 gemachten Dias sind auch heute noch hervorragend, die Kamera ist wirklich zuverlässig, aber der extrem schnelle, mechanische Verschluss hatte auch einen Nachteil. Die Nikon FM2 ist die lauteste Kamera, die mir je untergekommen ist. Diskret in einer Kirche arbeiten? Unmöglich. Wenn man die FM2 ausgelöst hat, bekam das defintiv jeder mit, auch noch in 20, 30 Metern Umkreis.
Anschaffung fürs Leben - Leica
Die unsagbar laute Nikon FM2 liess mich nach etwas Diskretem suchen. Fast schon zwangsläufig landete man da bei den Meßsucher-Leicas. Ich hatte ja schon öfter über hohe Preise gejammert, aber uiii - Leicas sind wirklich extrem teuer! Deshalb konnte ich zunächst nur eine mit Schraubgewindeoptik aus den Fünfzigern für happige 25.000,- Schilling kaufen (und nahm dafür erstmals in meinem Leben einen Kredit auf). Ich war alles andere als glücklich damit. Das Teil hatte zwei Sucher, einen zum Motiv anvisieren, einen zum scharfstellen, zum Aufziehen und Filmtransportieren mußte man endlos an einem Schraubknopf drehen, die Optik war nicht vergütet und das Filmeinlegen war ein entsetzliches Gefummel. Und doch, da war was. Man kann es nicht in Worte fassen. Eine Leica muss man fühlen, sie in die Hand nehmen, dann unterliegt man über kurz oder lang ihrer Faszination und sie trifft einen mitten ins Herz.
Leica M6
Bei mir war es jedenfalls so. Ich hatte eine Leica angefasst. Ich war angefixt. Aber den damaligen Gegenwert eines Kleinwagens für einen "Fotoapparat"? Hatte ich nicht. Also hätte meine Leica-Geschichte hier enden können. Hätte - offensichtlich habe ich meiner Oma zu oft die Ohren vollgesungen. Man muß das verstehen. Ihr Mann, bereits in den Dreissiger Jahren ein begnadeter Fotograf, der mit viel Aufwand schon damals Farbfotos schuf, hatte ebenfalls eine Leica besessen, damals wahrscheinlich noch unerschwinglicher als heute. Diese hatte sie in den Nachkriegstagen, als ihr Mann noch in russischer Gefangenschaft war, gegen Lebensmittel getauscht. Meine Mutter und ihre Schwester wären sonst verhungert... "Das war das einzige Mal, dass er wirklich böse auf mich war..." hat sie mir einmal erzählt. Als Oma dann starb, hat sie mir 50.000,- Schilling Erspartes hinterlassen. Mit dem ausdrücklichen testamentarischem Wunsch, dass ich eine Leica dafür kaufe. Man sieht, die Beziehung zu einer Leica ist immer von Emotionen bestimmt, selten von der Ratio. Also ging ich hin und kaufte eine Leica M6. Die M6 ist eine wirklich fast perfekte Kamera, Emotionen hin oder her. Allein sie anzufassen bereitet sinnliches Vergnügen. Sie ist hervorragend verarbeitet und nahezu unzerstörbar. Die Hartverchromung des Gehäuses ist völlig resistent gegen Kratzer und Abnutzung. Alles läuft spielfrei und mit der Präzision eines Uhrwerkes. Der Verschluss ist extrem leise. Der Sucher ist einmalig. Endlich konnte ich als Brillenträger einen Sucher wirklich überblicken, selbst im Finstern. Der Sucher zeigt immer mehr, als den jeweiligen Leuchtrahmen der eingesetzten Brennweite. Man sieht also ein sich ins Bild bewegendes Objekt schon bevor es ins Bild kommt. Und kann im genau richtigen Moment abdrücken. Das macht Fotos mit der Leica so einmalig.
Mit dieser Kamera gelangte ich fotografisch auf ein neues Niveau, in gestalterischer wie in technischer Hinsicht. Das Summicron 1:2 35mm, das ich als zunächst einziges Objektiv dazu kaufte (für mehr hat Omas Erbe nicht gereicht, später habe ich dann für den Gegenwert meiner Nikon mit Motor und Objektiven von 24 bis 200mm noch ein 90mm Elmar und einen Motor dazugekauft) ist ein einmaliges Objektiv. Es ist so präzise gefertigt und leichtgängig, dass man es mit der Fingerspitze scharfstellen kann. Schärfe und Auflösung liegen auf einem Niveau, wie ich es noch bei keinem anderen Objektiv erlebt habe. Auf Agfapan 25 habe ich einmal eine Übersichtsaufnahme von einem Open-Air Konzert aus dem 2. Stock eines Hauses gemacht. In der Dunkelkammer zeigte sich dann am Vergrösserer die unglaubliche Auflösung dieser Optik. Auf dem Negativ sind hunderte Menschen abgebildet. Aber man erkennt noch gestochen scharf die einzelnen Perlen einer Halskette... Einige Jahre habe ich dann mit der M6 professionell gearbeitet. Die Minimalaustattung mit nur zwei Objektiven reichte dabei in 90% der Fälle aus und die Fotos waren "gut genug" um etliche Titelseiten (die wesentlich höher honoriert wurden) zu erhalten. Die Leica M6 ist eine perfekte Kamera, aber auch sie ist nicht fehlerlos. Eines was mich wahnsinnig gemacht hat, war das Filmeinlegen. Das war noch dasselbe Gefummel wie weiland bei der IIIf. Ich weiß nicht, wie viele gute Bilder ich versäumt habe, weil ich mal wieder mit Filmeinlegen beschäftigt war. Der zweite Makel war systembedingt. Meßsucherkameras funktionieren nicht mit langen Brennweiten. Bei 135mm ist Schluss. Damit hatte ich mich als Sportfotograf selbst disqualifiziert...
Leica R4, die Kamera fürs Leben
Eine Spiegelreflex mußte her. Also habe ich die M6 gegen eine Leica R4 mit Motor und einem 28-70er Vario-Elmar, einem 2,8/28er Elmar, einem 1:2 50mm Summicron und einem 1:2,8 180mm Elmarit eingetauscht. Merke - M-Leicas sind preisstabil. Das war sie, die perfekte Kamera! Zeit-, Blenden,- und Programmautomatik, Integral- oder Spotbelichtungsmessung, Sucher mit Dioptrienausgleich und extrem hellem Sucherbild, für eine Spiegelreflex sehr leise, auch mit Motor, liegt mit Handschlaufe perfekt in der Hand, Filmeinlegen geht wieder so blitzartig wie damals bei Nikon, die Objektive sind exzellent (das M Summicron war halt noch besser). Dazu eine perfekte Verarbeitung mit dem robusten schwarz hartverchromten Gehäuse...
Ich war am Ziel. Ich hatte die Kamera fürs Leben gefunden...
Fünfzehn Jahre später kam mir die erste Digitalkamera in die Finger, eine Panasonic Lumix DMC LC5. Obwohl das eigentlich nur eine digitale Knipse war (die ersten erschwinglichen Digitalspiegelreflex kamen erst einige Jahre später) war ich begeistert. Sofortige Kontrolle des Bildergebnisses, kein Zittern mehr bis nach der Filmentwicklung, keine Kosten für Filmmaterial. Ein ungeheurer Tonwertumfang, verglichen mit Diamaterial, kein zeitraubendes Scannen mehr, kurz, die kam ins Haus, bis es was entsprechendes von Leica gab.
Leica R8, das Monstrum
Vollmundig hatte man bei Leica eine Digitalhybride auf Basis der Leica R8/R9 angekündigt. Einfach Rückwand raus, Digitalmodul rein und schon hatte man eine digitale Spiegelreflex. Und was mache ich? Ich laufe los und besorge eine Leica R8 bevor es das Ding überhaupt gibt. Obwohl mir die R8 überhaupt nicht gefällt. Die R8 war ein Monstrum in jeder Hinsicht. Bitte ja, sie hatte auch ihre Vorzüge. Die Mehrfeldbelichtungsmessung zum Beispiel. Die war perfekt. Auch die Möglichkeit, mit der Ablendtaste eine angeschlossene Studioblitzanlage auszulösen um die Blitzbelichtung TTL zu messen war echt Spitze (Warum können das eigentlich die Nikons bis heute nicht?). Der Designer der R8 hat sich sicher viel Mühe gegeben. Aber mir gefällt dieses Trumm einfach nicht. Sie ist mir zu monströs - selbst die heutigen Digitalschlachtschiffe in der Profiliga wirken zart gegen eine R8. Diese Kamera war nachgerade peinlich, selbst der blutigste Laie erkannte, dass das etwas Teures ist und nervte mit entsprechend blöden Fragen. Dann kam endlich das Digitalmodul auf den Markt. Selbst die preislich ja nicht gerade verwöhnten Fans der Marke heulten auf, als der Preis bekanntgegeben wurde - anfangs wurden 10.000,- €, also 130.000,- Schilling kolportiert. Als ich dann noch die ersten Aufnahmen mit dem Digitalmodul auf den Rechner bekam, wars aus. Die Qualität war nicht wirklich gut. Was also tun. DMR war disqualifiziert, nicht bezahlbar und trotz damals enormer 10 Megapixel eher bescheidene Qualität. Eine digitale M würde es nie geben, verkündete Leica lauthals, das sei wegen des zu geringen Auflagemasses technisch unmöglich. Na ja, so sind PR-Leute halt - ahnungslos. Epson hat die digitale Bessa wahrscheinlich nur gebaut um die Herren in Solms eines Besseren zu belehren und wie wir heute wissen, gibt es mittlerweile eine Leica M9 mit einem Vollformatchip... Damals wusste ich das noch nicht, der Umstieg auf Digital war aber beschlossene Sache. Was also tun? Canon hatte mittlerweile eine erschwingliche EOS 300 Digital auf den Markt gebracht, die war aber für mich kein Thema. So gescheit war ich schon, zu wissen, das Objektive für eine gute Bildqualität wichtiger sind als die Zahl der Pixel. Und für die Qualität seiner Objektive war Canon ja nie berühmt. Das heute so viele Profis auf Canon arbeiten hat einen einfachen Grund. Nikon hatte sich auf seinen Lorbeeren als Marktführer im Profisegment zu sehr ausgeruht und einfach 10 Jahre und die Einführung des Autofokus verschlafen. Canon hat in dieser Zeit ein funktionstüchtiges Autofokussystem auf den Markt gebracht. Autofokus ist ein Vorteil, vor allem für Sportfotografen. Also stiegen viele Pressefotografen auf Canon um, da für Autofokus sowieso alles neu angeschafft werden musste. Und wenn man einmal viel Geld in Objektive investiert hat, kauft man zwar vielleicht einen neuen Body, wechselt aber kaum mehr die Marke. Tatsache bleibt aber, das Canon Objektive optisch bis heute eher Durchschnitt sind. Das führt dann zu so abstrusen Dingen, wie der Verwendung von alten manuell fokussierten Zeiss, Leica und Nikon Optiken mit Adaptern auf ultramodernen Canon EOS 1D Bodys, weil diese alten Scherben viel schärfer sind. Echt krank!
Das Digitalzeitalter dräut
Leica Digilux2
Diese Kamera war teuer. Dreimal so teuer wie die gleichzeitig auf den Markt gekommene Canon Eos 300D. Und dabei hatte diese Leica noch nicht mal Wechselobjektive. Ich war mal wieder dort, wo ich schon zu Zeiten der Leica M6 Ende der Achtziger war. Ein Brennweitenbereich von 28-70mm, das wars. Aber das fest verbaute Leica Vario-Summicron mit Lichtstärke 1:2 war von einer unglaublichen Qualität! Versüsst hat mir diesen Kompromiss die von Leica sicher nicht ungewollte Tatsache, das da eine gewisse Ähnlichkeit mit der M-Leica unübersehbar war. Aber nur von weitem. Die Bedienung war Leicatypisch exzellent. Keine Knopferl, sondern ein Verschlusszeitenrad wie gewohnt und eine Blende, dort wo sie hingehört, an der Optik. Hervorragend. Der Chip liefert zwar nur damals schon bescheidene 5 Megapixel, ist aber recht groß. In Kombination mit dem exzellentem Vario-Summicron hatte das Ding eine wirklich gute Bildqualität, besser als viele Spiegelreflexen mit der doppelten Auflösung. Die Schärfe war unglaublich, selbst mit offener Blende. Zur "Kamera fürs Leben" fehlte ihr aber so einiges. Da war zunächst die erschreckende Verarbeitungsqualität. Schon nach nur drei Wochen in einem gepolsterten Koffer, hatte das Gehäuse erste Kratzer. Der Kamerariemen trug die Farbe vom Gehäuse ab wie an meinen Nikons nach 10 jährigem Gebrauch. Das Gehäuse sah zwar einer M-Leica ähnlich war aber viel klobiger und sehr schlecht zu halten. Was dazu führte, das sich schon nach kurzer Zeit die Belederung dort wo der Daumen stützte verabschiedete. Ich war entsetzt und machte meinem Unmut in Solms Luft. Eine Kamera für einen dermassen horrenden Preis sollte schon länger als 3 Wochen halten. Die Dame dort war wirklich nett und versprach in vom Leica Service gewohnter Manier kostenlose Abhilfe. Diese Kamera muß Leica nahe an den Ruin gebracht haben, sie war entsetzlich schlecht gemacht. Das war auch kein Wunder. Die Digilux 2 ist nun wirklich keine echte Leica. Sie wurde in Japan von Panasonic produziert. Und der von Leica gewohnten Qualität hinkt dieser Hersteller Lichtjahre hinterher. Was die Japaner nicht dran hindert in bester Heuschecken-Manier auf ihre ärgsten Plastiklinsen noch "Leica" zu schreiben. So gut die Digilux optisch war, die von den Japanern entwickelte Elektronik war grauenhaft. Da war zunächst der Sucher. Kein optischer Sucher, sondern ein Miniaturmonitor im Sucherfenster (hinten gabs dann noch einen). Der kleine Japaner, den sie da eingebaut haben, malte das Sucherbild in Zeitlupe! Das war ein Geruckel zum Gotterbarmen, so viele Bilder hatte ich nie zuvor verpasst, weil ich zu spät abdrückte. Solange man JPG aufnahm, war der Speed der Kamera einigermassen in Ordnung, wenngleich der miese Kontrast-Autofokus manchmal etliche Sekunden zum scharfstellen brauchte und im Finstern völlig den Dienst versagte. Das Problem mit den JPGs war nur, das sie alle einen starken Magenta-Stich hatten, den man dann in der Nachbearbeitung mühsam entfernen musste. Meine Digital-Euphorie hat sich in diesen langen Stunden vorm Computer schnell verflüchtigt, in der selben Zeit hätte ich auch entwickeln und scannen können. Eine Abhilfe hätte das RAW-Format geboten. Aber hier brauchte die Kamera endlos lang zum speichern (oft eine halbe Minute) bevor man das nächste Mal auslösen konnte. Bei Portraitsitzungen zum Auswachsen! Nach nur knapp zwei Jahren war dann auch noch der Chip im Eimer. Einfach so. Aus, Tot! Leica zeigte sich extrem kulant und sendete nach 8 Wochen eine vollständig überholte, neu belederte Kamera mit neuem Chip zurück - ein wirklich aussergewöhnlicher Service - aber ich hatte die Nase voll. Diese sogenannte "Leica" habe ich dann hergeschenkt.
Arca Swiss
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Ich stand mal wieder am Anfang. Die Nachfolgerin Digilux 3 war noch schlechter, eine digitale M war noch immer nicht in Sicht, vom digitalem R-System sprach man nicht mehr. Zudem hatte ich zuvor in einem Anfall von völliger geistiger Umnachtung meine herrliche Yashica Mittelformatkamera, die ungeliebte Leica R8 samt Objektiven und auch die wundervolle Arca Swiss Grossformatkamera verkauft. Das bereue ich mittlerweile zutiefst. Das Arbeiten mit Mittel- und Großformat hatte eine eigene Qualität. Bei der Arca brauchte man zwar 15 Minuten (in denen meine Frau immer wahnsinnig wurde, weil sie warten musste) um ein Bild einzustellen und aufzunehmen. Aber gerade dieses ruhige, konzentrierte Arbeiten führte zu einer neuen Qualität meiner Bilder. Diese Kamera war ein Schweizer feinmechanisches Kunstwerk, die Sinar, die ich früher beruflich nutzte, ist dagegen mit ihren wackeligen Einstellungen eine richtige Russenkamera (und gilt dennoch als "der Standard" im Großformat). Leider habe ich das zu spät erkannt. Ich hätte gerne beide Kameras für meine freie künstlerische Arbeit wieder, aber dafür fehlt das Geld, mit den Kameras die ich kaufe, muss ich Geld verdienen.
Nikon FE und FE2
Mein Onkel hat mir zumindest im Kleinbildformat aus dieser digitalen Sackgasse geholfen. Zwar besitze ich noch die Leica R4 und ein Objektiv dazu. Das habe ich dann doch nicht übers Herz gebracht, "Omas Leica" zu verkaufen. Diese perfekte Kamera darf bleiben. Aber die beiden Nikons und die hervorragenden Serie A Objektive mit 24, 35, 50, 55, 105 und 200mm Brennweite die er mir gab, haben mich wieder auf den analogen Geschmack gebracht. Die Nikon FE2 ist eine sehr gute Kamera und erinnert mich stark an die hervorragende Nikon FM2. Allerdings verfügt sie zusätzlich über eine Zeitautomatik und TTL Blitzbelichtungsmessung. Und sie ist genauso schrecklich laut wie weiland die FM2. Mein heimlicher Favorit aber ist die ältere Nikon FE. Die hat das Zeug dazu, neben der Leica R4 eine "Kamera fürs Leben" zu werden. Im Gegensatz zur FE2 ist die FE sehr leise, beim Auslösen hört man nur ein leises "Sproing". Der Sucher ist hervorragend, der Auslöser butterweich, die Objektive sind sehr gut und die FE ist auf das für das Fotgrafieren wesentliche reduziert. Sie ist klein, schwarz und völlig prestigelos wie ein VW-Käfer. Und wie bei der Leica vergisst man, das man sie in der Hand hält und konzentriert sich nur noch auf das Bild.
Meine frühere Dunkelkammer hatte ich, ebenfalls geistig umnachtet, samt einem herrlichen Leitz Focomaten und Farbentwicklungsmaschine an einen Fotografenlehrling verschenkt, der irrigen Annahme, mit Digitalkamera, Scanner, Computer und Drucker würde ich so was nie wieder brauchen. Wie man sieht, es kommt anders als man denkt. Eigentlich wollte ich mit meiner kleinen Tochter nur schnell mal einen Film entwicklen um ihr zu zeigen, wie das früher mal war. Als ich den Fixierer gerochen habe, war es um mich geschehen! Eine Dunkelkammer musste wieder her. Ich habe daher einen Vergrösserer, einen soliden Durst M607 für ganz wenig Geld besorgt und wieder eine Dunkelkammer eingerichtet. Und da ich damit kein Geld mehr damit verdienen muss, geniesse ich das jetzt, perfekte Schwarzweiss-Abzüge auf Barytpapier herzustellen.
Enttäuschte Liebe
Bitter enttäuscht von der völlig verfehlten "Digitalpolitik" der Krämer, die bei Leica das sagen hatten, schwor ich meiner einstigen Liebe ab. Leica hat in den letzten Jahren öfter den Besitzer gewechselt als manche Leute ihr Hemd. Eines hatte die alle gemeinsam: Ob Luxusfirmchen wie Hermes oder die zahllosen Investment-Heuschrecken, die sich die Klinke in die Hand gaben: was Leica ausmacht, hat keiner von denen verstanden! Die digitale Leica M - noch teurer. Oh ja, eine M9 hätte ich schon recht gern (den "Prototypen" M8 dürfen sie getrost behalten), aber nur zum Spielen. Das R-System wurde mittlerweile ersatzlos gestrichen, stattdessen glaubt man, mit der neuen Leica S2 mit Hasselblad und Leaf konkurrieren zu müssen. Es wäre nicht verwunderlich wenn die S2 der Schlußstrich unter eine über hundertjährige Unternehmensgeschichte ist. Der Markt für Kameras dieser Klasse beträgt gerade mal rund 5.000 Stk. jährlich. Und fast alle Profis, die digitales Mittelformat benutzen, haben schon analog mit der Hasselblad gearbeitet. Warum also sollen Sie ein nicht ausgereiftes Leica Gehause um 22.000,- € und Objektive für durchschnittlich 5-6.000,- € kaufen? Warum konzentriert man sich bei Leica nicht auf das, was man wirklich kann? Die besten Objektive der Welt zu bauen! Gerade Spiegelreflex-Besitzer würden sich vermutlich über wirklich scharfe Objektive freuen...
Digitale Arbeitstiere
Nikon D200
Für die Arbeit brauchte ich aber eine vernünftige Kamera. Gottseidank war man mittlerweile bei Nikon aus der Lethargie erwacht. Die D200 ist eine sehr gute digitale Kamera zu einem angemessenen Preis. Anfangs war ich allerdings über die optische Qualität entsetzt. Ich musste erst lernen, das mit Digitalkameras neue optische Probleme auftreten. Mangelhafte Zentrierung z.B. - ich hab vier 17-50mm Zooms beim Händler geholt, bis ich ein vernünftig zentriertes fand. Die Qualitätskontrolle, das berühmte goldene "Passed" Pickerl, hatte man mittlerweile abgeschafft - Front- und Backfokus und durch die im Weitwinkelbereich notwendigen, extremen Brennweiten (Cropfaktor bei DX Chips), entstehen manchmal wirklich unglaubliche Verzeichnungen. Anfangs habe ich daher lauthals nach meinen geliebten Leica Optiken gegreint. Die hervorragenden Serie A Objektive meines Onkels (sie können auch an der D200 und der D700 ganz normal verwendet werden) halfen mir zu Beginn enorm weiter, bis ich einige vernünftige Autofokus Optiken angeschafft hatte. In der Hoffnung, das auch Nikon eines Tages eine Vollformatkamera ohne Cropfaktor bringt, achtete ich darauf, Objektive mit Vollformat-Bildkreis anzuschaffen. Im Nachhinein sollte sich das als die richtige Strategie erweisen. Die D200 ist schnell, robust und sehr komfortabel in der Bedienung. Die D200 ist zu einer wirklich sehr guten Bildqualität in der Lage. Schärfe und Auflösung sind exzellent. Lediglich das Rauschverhalten ist auch nicht besser als beim Mitbewerb. Diese Kamera entpuppte sich als ausgesprochenes Arbeitstier. Zwar ist sie groß, laut und auffällig, aber da heute eh jeder Amateur mit grossen, lauten und auffälligen Kameras rumläuft, fällt das nicht mehr so ins Gewicht wie früher. In nur drei Jahren habe ich mit ihr über 27.000 Aufnahmen runtergeradelt. Problemlos, mit wenig Nacharbeit am Computer. Die Kamera fürs Leben war sie noch nicht. Vor allem die, durch die im Weitwinkelbereich nötigen extrem kurzen Brennweiten, haben mich bei Architektur- und Industrieaufnahmen mit ihren Verzeichnungen manchmal in den Wahnsinn getrieben. Häuser haben nun mal gerade Kanten und keine tonnenförmigen! Es ist extrem zeitaufwendig am Computer diese Verzeichnungen rauszurechnen. Das ließ mich bald mit der neuen D700 mit Vollformatchip liebäugeln, als diese auf den Plan trat.
Nikon D700 - Dr. Jeykill & Mr. Hyde.
Die D200 ist ein braves Arbeitstier gewesen. Bis zu jenem Tag an dem ich mal wieder Stunden mit der Verzeichnungskorrektur von Architekturfotos für eine Webseite zugebracht hatte. Niemand sonst würde sich das antun, nur fürs Internet. Das wußte ich auch und war dementsprechend sauer auf mich selbst. Aber ich will aus Prinzip nun mal keine schlechten Fotos von mir rausgehen lassen. Es war klar. Jetzt muß sie her. Ich fuhr nach Wien und kaufte meine 21. Kamera... Die 700er ist eine exzellente Kamera. Das Gehäuse ist genau so robust wie das der 200er. Aber der Verschluss ist viel leiser. Der macht in etwa ein Geräusch, wie wenn man ein Buch zuklappt - ich liebe das. Man kann sie entweder als zwar grosses, aber gerade noch dezentes Gehäuse verwenden - die Dr. Jeykill Variante bevorzuge ich im Studio oder beim Leute fotografieren. Oder aber, wenn man wirklich wichtig aussehen will (oder man tatsächlich auf dem Fussballplatz mal eine Bildfrequenz von 8 Bildern/Sekunde braucht...) schraubt man einfach den Batterieteil drunter. Dann noch einen 45er Metz dran und man hat ein richtiges Monstrum in der Hand - das ist dann die Mr. Hyde Variante, mit der man auch den Unbedarftesten in Ehrfurcht erstarren lässt.
In Sachen Bildqualität ist sie eindeutig der kultivierte Dr. Jeykill. Der Vollformatchip löst zwar auch nicht wesentlich mehr auf, als die DX Vorgängerin. Aber gerade diese Beschränkung auf heute bescheidene 12 Megapixel waren ein Geniestreich. Auf dem großem chip sind diese "wenigen" Pixel nachgerade riesig. Das bewirkt eine enorme Lichtempfindlichkeit und weniger Anfälligkeit für optische Restfehler von Objektiven. Mit diesem Gerät kann man wirklich mit Iso 3200 fotografieren und das dann im Druck verwenden, ohne das Rauschen sichtbar würde. Ein Quantensprung in der Bildqualität. Ob man bei einer Digitalkamera überhaupt noch von einer Anschaffung fürs Leben sprechen kann? Wer weiss? Auf jeden Fall ist die D700 wieder mal sehr nah dran. Ich hab noch nichts gefunden was mich stört, habe aber auch erst rund 1.000 Aufnahmen damit gemacht...