Der Motor der Jawa 638 ist weit besser als sein Ruf. Es ist eine durchaus moderne Konstruktion, mit Alu-Zylindern, ordentlichen Kurbelwellenlagern, modernen Wellendichtringen die diese Bezeichnung auch verdienen, großer Kupplung und einem brauchbaren Getriebe. Langhubig mit reichlich Schwungmasse und stabilem Leerlauf ist sein Klang meilenweit vom charakteristischem Reng deng deng eines Zweitakters entfernt. Woran liegt es also, das diese Motoren manchmal alle Vorurteile über Ostblocktechnik zu bestätigen scheinen?

Da ist zum einem die planwirtschaftliche Produktion. So weit mögen die Vorurteile ja stimmen. Gußqualitäten schwanken von feinster Präzisionsoberfläche bis hin zu einer Oberfläche, die an die Dürre in der Sahelzone erinnert. Da werden Getrieberäder aus Stahlqualitäten gemacht die sich schon beim bloßen Hinschauen verformen. Das alles kann man aber auch bei einer Ducati aus der selben Zeit finden, scheint also nicht ostblocktypisch. Der größte Feind einer Jawa ist meistens der, der an ihr schraubt (mich eingeschlossen). Werkstätten gab es nicht wirklich viele, also wurde munter drauflos gepfuscht. Und ist der Ruf erst mal ruiniert...

Nachdem auch das tschechische Werkstatthandbuch nur bedingt erhellend ist und vor allem sehr wenig Abbildungen enthält (teilweise noch dazu von anderen Motoren) und im Indernetz auch nicht wirklich was zu finden ist versuche ich mal hier den Aufbau eines Jawa 638 Motors zu dokumentieren. Nachahmung auf eigene Gefahr! Ergänzt wurde das Machwerk mit Tipps von Zdenek Stava in Znaim und von Koarrl vom Jawa Club Wien...

Demontage

Zuerst das (warme) Getriebeöl ablassen. Solange der Motor im Rahmen sitzt geht das am besten. Die Ablaßschraube sitzt unter dem Motor, entfernen der Einfüllschraube beschleunigt die Sache. Bremshebel abschrauben, Schalthebel in Startstellung stellen (sonst machts Sproing!) Dann beide Deckel demontieren. Auf der rechten Motorseite die Kabel von Lichtmaschine und Zündung abziehen.

Dieses Bild zeigt welche Kabelfarben wo angeschossen waren. Die Farben können "etwas" variieren...

Weiters:
-Kupplungsseil am Kupplungsautomaten aushängen (wenn man letzteren überholen will)
-Kupplungsautomat abschrauben (kann zur Not am Seil hängen bleiben)
-Kettenschutz öffnen, Gummi wegschieben, Ritzel abschrauben. Die Hülse hinter dem Ritzel gut aufheben! Die Kette muß nicht getrennt werden.
-Drehzahlmesserwelle abschrauben
-Tachowelle demontieren, dazu die Schraube unter dem Motor ganz herausdrehen, dann kann die Welle entnommen werden.
Vergaser abmontieren, Zündkabel abziehen etc.
Jetzt die Motorhalteschrauben öffnen: 2 Stk hinten, 2 Stk vorne am Rahmen.
Halteblech wegschrauben, dann geht der Motor leichter raus. Äh ja und wenn man noch die Auspuffe abschraubt, gehts viel leichter...
Motor mit Hammerstiel hochhebeln und und nach links rausheben (er ist nicht sehr schwer).

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